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Katze kratzt an Möbeln: Ursachen verstehen, Alternativen schaffen

Kratzen ist ein Grundbedürfnis, keine Unart. Warum Katzen kratzen, wie du Sofa und Tapete schützt, welche Kratzmöbel wirklich angenommen werden und warum Strafen nicht helfen.

Das neue Sofa ist drei Wochen alt, und an der Seitenlehne hängen schon die ersten Fäden heraus. Die Tapete im Flur hat auf Katzenhöhe ein ausgefranstes Muster bekommen, und der Teppich vor der Schlafzimmertür sieht aus, als hätte jemand mit einem Rechen darauf gearbeitet. Viele Katzenhalterinnen und Katzenhalter kennen diese Spuren und fragen sich, ob ihre Katze das absichtlich tut.

Die Antwort ist: Ja, absichtlich, aber nicht aus Bosheit. Kratzen ist für Katzen so wichtig wie Fressen und Schlafen. Wer verstehen will, wie man die Möbel schützt, muss zuerst verstehen, warum Katzen kratzen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kratzen dient der Krallenpflege, dem Strecken der Muskulatur und dem Markieren des Reviers.
  • Eine Katze lässt sich das Kratzen nicht abgewöhnen, aber umlenken.
  • Gute Kratzmöglichkeiten sind stabil, groß genug und stehen dort, wo die Katze kratzen möchte.
  • Strafen, Wasserspritzen und Schimpfen helfen nicht und schaden der Beziehung.
  • Das Entfernen der Krallen ist in Deutschland verboten und tierschutzwidrig.

Warum Katzen kratzen

Krallenpflege

Katzenkrallen wachsen in Schichten. Beim Kratzen lösen sich die äußeren, abgenutzten Hüllen, und darunter kommt eine neue, scharfe Kralle zum Vorschein. Die abgestoßenen Krallenhüllen findest du manchmal am Kratzbaum oder auf dem Teppich. Sie sehen aus wie hohle, halbmondförmige Krallen und sind kein Grund zur Sorge.

Strecken und Bewegen

Beim Kratzen dehnt die Katze ihren ganzen Körper: Rücken, Schultern, Vorderbeine und Pfoten. Viele Katzen kratzen deshalb besonders gern direkt nach dem Aufwachen, ähnlich wie Menschen sich nach dem Schlafen recken.

Markieren

Zwischen den Ballen der Pfoten sitzen Duftdrüsen. Beim Kratzen hinterlässt die Katze einen persönlichen Geruch, den andere Katzen wahrnehmen. Gleichzeitig sind die Kratzspuren ein sichtbares Zeichen. Kratzen ist also auch eine Botschaft: Hier wohne ich. Deshalb kratzen Katzen bevorzugt an auffälligen Stellen, etwa an Eingängen, Durchgängen und in der Nähe ihrer Lieblingsplätze, und an Möbeln, die nach ihren Menschen riechen.

Gefühle ausdrücken

Viele Katzen kratzen, wenn sie aufgeregt sind, etwa wenn ihre Menschen nach Hause kommen oder wenn es Futter gibt. Kratzen kann auch Frust oder Stress abbauen.

Was eine Katze an einer Kratzstelle mag

Wer verstehen will, warum eine Katze lieber das Sofa als den Kratzbaum nimmt, sollte das Sofa aus Katzensicht betrachten: Es ist groß, stabil, wackelt nicht, hat eine Oberfläche, in die man die Krallen gut schlagen kann, steht mitten im Wohnzimmer und riecht nach den Lieblingsmenschen. Ein guter Kratzplatz sollte genau diese Eigenschaften haben.

Stabilität

Ein Kratzbaum, der beim Kratzen wackelt oder umkippt, wird schnell gemieden. Wähle stabile Modelle mit schwerem Sockel oder solche, die zwischen Boden und Decke verspannt werden. Kratzbretter für die Wand sollten fest montiert sein.

Größe

Die Katze möchte sich beim Kratzen ganz strecken können. Ein senkrechter Kratzstamm sollte deshalb so hoch sein, dass die Katze im Stehen die Vorderpfoten weit über sich ansetzen kann. Viele handelsübliche Kratzstämme sind zu kurz.

Material

Viele Katzen mögen Sisal, ein grobes Naturfasermaterial, das sich gut greifen lässt. Andere bevorzugen Wellpappe, Teppich, Holz oder Rinde. Beobachte, was deine Katze bisher bekratzt: Ist es ein grober Stoff, ein Teppich, ein Holzbalken? Biete ein ähnliches Material an.

Richtung

Manche Katzen kratzen lieber senkrecht, andere waagerecht, viele beides. Wenn deine Katze den Teppich bearbeitet, braucht sie eine waagerechte Kratzmatte oder ein flaches Kratzbrett aus Wellpappe. Wenn sie an der Sofaseite kratzt, braucht sie eine senkrechte Fläche.

Standort

Das ist der wichtigste Punkt. Ein Kratzbaum im Gästezimmer, das kaum jemand betritt, wird selten genutzt. Stelle Kratzmöglichkeiten dort auf, wo die Katze bereits kratzt, wo sie gern schläft und wo sie ihr Revier markieren möchte, also im Wohnzimmer, im Flur, in der Nähe der Eingangstür und neben ihren Schlafplätzen.

So lenkst du das Kratzen um

  1. Die Lieblingsstelle beobachten. Wo kratzt deine Katze, in welcher Richtung, auf welchem Material?
  2. Direkt davor eine Alternative aufstellen. Wenn sie an der Sofaecke kratzt, stelle ein senkrechtes Kratzbrett oder einen stabilen Kratzstamm direkt vor diese Ecke.
  3. Die alte Stelle unattraktiv machen. Decke die Sofaecke vorübergehend mit einer glatten Decke, Folie oder doppelseitigem Klebeband ab. Viele Katzen mögen das Gefühl von Klebeband an den Pfoten nicht.
  4. Die neue Stelle attraktiv machen. Reibe etwas Katzenminze oder Baldrian auf den Kratzplatz, wenn deine Katze darauf reagiert, oder spiele mit einer Federangel daran, sodass die Katze die Krallen hineinschlägt.
  5. Loben und belohnen. Wenn deine Katze den neuen Platz benutzt, lobe sie ruhig oder gib ihr ein Leckerli.
  6. Geduld haben. Nach einigen Wochen kannst du die Abdeckung am Sofa vorsichtig entfernen und den Kratzplatz, wenn nötig, langsam an eine dir angenehmere Stelle verschieben.

Was nicht hilft

Strafen: Schimpfen, In-die-Hände-Klatschen, Wasserspritzen oder gar körperliche Strafen helfen nicht. Die Katze versteht nicht, dass das Kratzen falsch ist, denn für sie ist es ein natürliches Bedürfnis. Sie lernt höchstens, dass sie in deiner Anwesenheit nicht kratzen sollte, und tut es dann heimlich. Gleichzeitig verliert sie das Vertrauen zu dir, und Stress kann das Kratzen sogar verstärken.

Die Katze zum Kratzbaum tragen und ihre Pfoten daran reiben: Das gefällt den meisten Katzen nicht und verbindet den Kratzbaum mit etwas Unangenehmem.

Duftsprays mit starkem Geruch: Manche Halterinnen und Halter versuchen, Möbel mit Zitrusduft oder Essig zu schützen. Das kann wirken, aber auch die Katze insgesamt verunsichern. Ätherische Öle sind für Katzen giftig und dürfen nicht verwendet werden.

Krallen kürzen und Krallenkappen

Krallen kürzen: Bei Wohnungskatzen, die ihre Krallen nicht ausreichend abnutzen, besonders bei älteren Tieren, kann es sinnvoll sein, die Spitzen gelegentlich zu kürzen. Das verringert die Schäden an Möbeln etwas, ersetzt aber nicht das Kratzen. Wie man richtig vorgeht, erklären wir in einem eigenen Ratgeber.

Krallenkappen: Es werden kleine Kunststoffkappen angeboten, die auf die Krallen geklebt werden. Sie verhindern Kratzschäden, aber auch das natürliche Kratzen und Krallenpflege. Viele Katzen fühlen sich mit ihnen unwohl. Tierschutzorganisationen raten von einer dauerhaften Anwendung ab.

Krallenentfernung: verboten

In manchen Ländern werden Katzen die Krallen chirurgisch entfernt. Dabei wird nicht nur die Kralle, sondern das letzte Zehenglied amputiert. Der Eingriff ist schmerzhaft, kann zu dauerhaften Schmerzen, Lahmheit und Verhaltensproblemen führen und nimmt der Katze ein wichtiges Werkzeug. In Deutschland ist er nach dem Tierschutzgesetz verboten, außer bei einer medizinischen Notwendigkeit für das Tier selbst.

Wenn das Kratzen plötzlich zunimmt

Kratzt deine Katze auf einmal viel mehr als sonst, besonders an Türen und Fenstern, kann das auf Stress hinweisen: eine neue Katze in der Nachbarschaft, ein Umzug, ein neues Familienmitglied oder Veränderungen im Alltag. Dann lohnt es sich, nach der Ursache zu suchen. Mehr Kratzmöglichkeiten an Eingängen und Fenstern und mehr Spiel können helfen.

Häufige Fragen

Wie viele Kratzmöglichkeiten braucht eine Katze?

Mindestens zwei, besser mehrere, verteilt in der Wohnung: einen großen, stabilen Kratzbaum und dazu Kratzbretter oder Matten an den Lieblingsstellen. In Mehrkatzenhaushalten entsprechend mehr.

Meine Katze kratzt nur an der Tür. Warum?

Türen sind Grenzen des Reviers. Die Katze möchte vielleicht hinein oder hinaus, oder sie markiert die Grenze. Ein Kratzbrett direkt an oder neben der Tür ist oft die Lösung.

Hilft ein neuer Kratzbaum, wenn der alte abgenutzt ist?

Ein zerkratzter Kratzbaum ist für die Katze oft gerade attraktiv, weil er nach ihr riecht. Ersetze abgenutzte Sisalteile lieber einzeln, statt den ganzen Kratzbaum auszutauschen.

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