Katze aus dem Tierheim adoptieren: So läuft die Vermittlung ab
Vom ersten Besuch bis zum Schutzvertrag: wie die Adoption einer Katze aus dem Tierheim abläuft, welche Fragen du stellen solltest und wie du die passende Katze findest.
In deutschen Tierheimen und bei Tierschutzvereinen warten jedes Jahr zehntausende Katzen auf ein neues Zuhause. Manche wurden abgegeben, weil ihre Menschen gestorben sind, umziehen mussten oder eine Allergie entwickelt haben. Andere wurden als Fundtiere gebracht, wieder andere sind in einer Kolonie verwilderter Katzen geboren. Wer eine Katze aus dem Tierschutz adoptiert, schenkt einem Tier eine zweite Chance und bekommt in den meisten Fällen eine Katze, die bereits geimpft, gechippt, kastriert und tierärztlich untersucht ist.
Dieser Ratgeber erklärt Schritt für Schritt, wie eine Vermittlung abläuft, worauf Tierheime achten, welche Fragen du stellen solltest und wie du herausfindest, welche Katze zu deinem Leben passt.
Das Wichtigste in Kürze
- Plane mehrere Besuche ein, bevor du dich entscheidest. Seriöse Tierheime vermitteln nicht beim ersten Treffen.
- Erzähl offen von deiner Wohnsituation, deinem Alltag und deinen Erfahrungen. Das Tierheim will die passende Katze für dich finden, nicht dich prüfen.
- Rechne mit einer Schutzgebühr und einem Schutzvertrag, der unter anderem Kastration und Haltungsbedingungen regelt.
- Junge Katzen und reine Wohnungskatzen werden oft nur zu zweit vermittelt.
Warum aus dem Tierheim?
Der wichtigste Grund ist offensichtlich: Die Katzen sind schon da und brauchen ein Zuhause. Jede Adoption schafft außerdem einen freien Platz, den das Tierheim für das nächste Fundtier braucht.
Es gibt aber auch ganz praktische Vorteile. Die Mitarbeitenden kennen ihre Schützlinge oft seit Wochen oder Monaten. Sie wissen, ob eine Katze verschmust oder eher zurückhaltend ist, ob sie mit anderen Katzen gut auskommt, ob sie Kinder mag oder ob sie bei lauten Geräuschen unter das Bett flüchtet. Diese Erfahrung ist wertvoll, denn bei einem Kätzchen vom Bauernhof oder aus einer Kleinanzeige weißt du meist nicht, welcher Charakter sich entwickeln wird.
Zudem sind Tierheimkatzen in der Regel tierärztlich versorgt: Sie sind gegen Katzenschnupfen und Katzenseuche geimpft, mit einem Mikrochip gekennzeichnet, entwurmt und, sofern sie alt genug sind, kastriert. Viele Tierheime testen ihre Katzen außerdem auf die Viruserkrankungen FIV (Katzenaids) und FeLV (Leukose).
Bevor du losgehst: ehrliche Fragen an dich selbst
Eine Katze kann fünfzehn bis zwanzig Jahre alt werden. Bevor du ein Tierheim besuchst, lohnt es sich, ein paar Fragen ehrlich zu beantworten:
- Wie viel Zeit hast du? Katzen sind keine Einzelgänger, die den ganzen Tag allein glücklich sind. Gerade Wohnungskatzen brauchen täglich Beschäftigung und Zuwendung. Wenn du viel arbeitest, ist ein Katzenpaar oft die bessere Wahl als eine Einzelkatze.
- Darfst du eine Katze halten? Im Mietvertrag kann die Haltung von Katzen geregelt sein. Kläre das vorher mit deinem Vermieter, am besten schriftlich.
- Wohnung oder Freigang? Wohnst du an einer stark befahrenen Straße, in einer Großstadtwohnung im vierten Stock oder in einem ruhigen Haus mit Garten? Davon hängt ab, welche Katze zu dir passt.
- Wer lebt noch im Haushalt? Kleine Kinder, ein Hund, andere Katzen oder Menschen mit Allergien beeinflussen die Wahl.
- Kannst du dir die Kosten leisten? Neben Futter und Streu fallen jährliche Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen und unerwartete Tierarztrechnungen an. Seit der Anpassung der Gebührenordnung für Tierärzte im Jahr 2022 sind viele Behandlungen deutlich teurer geworden. Eine Rücklage oder eine Krankenversicherung für die Katze kann sinnvoll sein.
So läuft die Vermittlung ab
Jedes Tierheim hat eigene Abläufe, doch die Grundzüge sind fast überall ähnlich.
1. Informieren und Kontakt aufnehmen
Die meisten Tierheime und Tierschutzvereine stellen ihre Katzen auf ihrer Website mit Fotos und einer kurzen Beschreibung vor. Lies die Texte aufmerksam: Formulierungen wie „sucht ein ruhiges Zuhause ohne Kinder“ oder „nur in Freigang“ sind keine Floskeln, sondern beruhen auf Beobachtungen. Viele Tierheime bitten darum, vor einem Besuch anzurufen oder einen kurzen Fragebogen auszufüllen.
2. Das erste Gespräch
Beim ersten Besuch sprichst du meist zuerst mit einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter. Man wird dich nach deiner Wohnung, deinem Alltag, deinen Erfahrungen mit Katzen und deinen Vorstellungen fragen. Das kann sich anfühlen wie ein Bewerbungsgespräch, ist aber gut gemeint: Je mehr das Team über dich weiß, desto besser kann es dir eine Katze vorschlagen, die wirklich zu dir passt. Ehrlichkeit lohnt sich. Wer eine ruhige Katze für eine kleine Wohnung sucht, ist mit einem jungen, temperamentvollen Kater nicht glücklich, auch wenn er auf dem Foto besonders hübsch aussieht.
3. Kennenlernen, mehrmals
Danach darfst du die Katzen kennenlernen, die infrage kommen. Viele Katzen zeigen sich beim ersten Treffen nicht von ihrer typischen Seite. Eine Katze, die sich im Tierheim in die hinterste Ecke zurückzieht, kann zu Hause eine verschmuste Gefährtin werden, sobald sie Ruhe hat. Umgekehrt ist nicht jede Katze, die sofort auf den Schoß springt, für jede Familie geeignet. Plane deshalb mindestens zwei oder drei Besuche ein. Setz dich ruhig auf den Boden, lass die Katze zu dir kommen und dräng dich nicht auf.
4. Vorkontrolle
Manche Tierheime und viele Tierschutzvereine machen vor der Vermittlung eine sogenannte Vorkontrolle. Dabei schaut sich eine Person aus dem Verein deine Wohnung an, oft mit Blick auf gesicherte Fenster und Balkone. Das ist kein Misstrauen, sondern Teil des Tierschutzes. Häufig bekommst du dabei auch nützliche Tipps.
5. Schutzvertrag und Schutzgebühr
Wenn alle sich einig sind, unterschreibst du einen Schutzvertrag. Darin verpflichtest du dich, die Katze artgerecht zu halten, sie bei Bedarf tierärztlich versorgen zu lassen und sie nicht ohne Rücksprache weiterzugeben. Häufig enthält der Vertrag Regelungen zur Kastration, zur Sicherung von Fenstern und Balkon oder zur Haltung als Freigänger oder Wohnungskatze. Einige Vereine behalten sich vor, nach einigen Wochen einen Nachbesuch zu machen.
Für die Vermittlung zahlst du eine Schutzgebühr. Sie liegt bei Katzen je nach Tierheim, Region und Alter des Tieres oft im Bereich von etwa 80 bis 150 Euro und deckt nur einen Teil der Kosten für Impfung, Chip, Kastration und Unterbringung.
6. Abholung
Am Tag der Abholung bringst du eine stabile Transportbox mit. Frag nach dem Futter, das die Katze bisher bekommen hat, und nach der Katzenstreu, die sie gewohnt ist. Beides solltest du in den ersten Wochen beibehalten. Außerdem bekommst du den Heimtierausweis mit den Impfungen und, falls vorhanden, Befunde aus tierärztlichen Untersuchungen.
Welche Katze passt zu dir?
Die wichtigste Frage ist nicht, welche Fellfarbe oder welche Augen dir gefallen, sondern welcher Charakter zu deinem Leben passt. Die folgende Übersicht kann bei der Orientierung helfen:
| Deine Situation | Was oft gut passt |
|---|---|
| Kleine Wohnung, Berufstätigkeit | Zwei erwachsene, ruhige Katzen, die sich bereits kennen |
| Familie mit kleinen Kindern | Erwachsene, gelassene Katze, die Kinder kennt; keine sehr scheuen Tiere |
| Haus mit Garten in ruhiger Lage | Katze, die Freigang gewohnt ist |
| Erste Katze, wenig Erfahrung | Erwachsene, unkomplizierte Katze; Tierheim nach Empfehlung fragen |
| Viel Zeit, ruhiger Haushalt | Ältere Katze oder Katze mit besonderen Bedürfnissen |
Kitten oder erwachsene Katze?
Kätzchen sind niedlich und finden schnell ein Zuhause. Sie brauchen aber viel Zeit, Geduld und Beschäftigung, und ihr späterer Charakter ist noch offen. Erwachsene Katzen haben ihre Persönlichkeit bereits gefunden. Du weißt also, worauf du dich einlässt. Senioren ab etwa zehn Jahren warten oft am längsten auf ein Zuhause, obwohl viele von ihnen ruhige, anhängliche Gefährten sind.
Einzeln oder zu zweit?
Viele Tierheime vermitteln junge Katzen und reine Wohnungskatzen nur zu zweit. Katzen sind soziale Tiere, auch wenn sie nicht in Rudeln jagen. Zwei Katzen, die sich gut verstehen, spielen miteinander, putzen sich gegenseitig und langweilen sich weniger, wenn ihre Menschen arbeiten. Es gibt aber auch Katzen, die andere Katzen nicht mögen und als Einzelkatze glücklicher sind. Auch das weiß das Tierheimteam meist genau.
Fragen, die du im Tierheim stellen solltest
Nutze die Gespräche, um so viel wie möglich über die Katze zu erfahren:
- Woher kommt die Katze, und wie lange ist sie schon im Tierheim?
- Wie verhält sie sich gegenüber Menschen, anderen Katzen, Hunden und Kindern?
- War sie bisher Wohnungskatze oder Freigänger?
- Welche Impfungen hat sie bekommen, ist sie kastriert und gechippt?
- Wurde sie auf FIV und FeLV getestet?
- Hat sie bekannte Erkrankungen, Allergien oder Futterunverträglichkeiten?
- Welches Futter und welche Streu bekommt sie?
- Gibt es Besonderheiten, etwa Angst vor bestimmten Geräuschen oder ungewöhnliches Verhalten?
Nach dem Einzug
Die ersten Tage im neuen Zuhause sind für eine Tierheimkatze aufregend. Gib ihr einen ruhigen Raum mit Toilette, Futter, Wasser und einem Versteck, und lass sie in ihrem eigenen Tempo die Wohnung erkunden. Viele Katzen brauchen einige Tage, manche einige Wochen, bis sie sich wirklich sicher fühlen. Wie du die Eingewöhnung gut begleitest, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber zu den ersten Tagen mit der neuen Katze.
Melde den Mikrochip deiner Katze bei einem Haustierregister wie TASSO oder FINDEFIX an, falls das Tierheim das nicht bereits getan hat, oder ändere dort die Kontaktdaten auf deinen Namen. Nur dann kann deine Katze zugeordnet werden, wenn sie einmal entlaufen sollte.
Und wenn es trotz aller Mühe nicht passt? Seriöse Tierheime nehmen eine Katze zurück, wenn die Vermittlung nicht funktioniert. Sprich frühzeitig mit dem Team, bevor die Situation für dich und die Katze belastend wird.
Häufige Fragen
Kann ich eine Katze direkt beim ersten Besuch mitnehmen?
In den meisten Tierheimen nicht, und das ist gut so. Mehrere Treffen helfen dir und dem Team, die Entscheidung in Ruhe zu treffen.
Werden Katzen auch an Berufstätige vermittelt?
Ja. Viele Tierheime vermitteln an Berufstätige, oft aber lieber zwei Katzen als eine einzelne Wohnungskatze. Wichtig ist, dass du realistisch schilderst, wie lange die Katze allein sein wird.
Was, wenn ich zur Miete wohne?
Dann wird das Tierheim meist eine Bestätigung verlangen, dass dein Vermieter mit der Katzenhaltung einverstanden ist. Kläre das am besten, bevor du dich in eine Katze verliebst.
Kann ich auch eine Katze aus dem Ausland adoptieren?
Auch ausländische Tierschutzorganisationen vermitteln Katzen nach Deutschland. Achte darauf, dass der Verein seriös arbeitet, die Katze vor der Ausreise tierärztlich untersucht, geimpft und gechippt wurde und dass du vorher Ansprechpartner in Deutschland hast. Eine Adoption aus einem Tierheim in deiner Nähe hat den Vorteil, dass du die Katze vorher persönlich kennenlernen kannst.