Chronische Nierenerkrankung bei Katzen: Früh erkennen, gut begleiten
Die chronische Nierenerkrankung ist bei älteren Katzen sehr häufig. Frühe Zeichen, Diagnose, Nierendiät, Flüssigkeit und Blutdruck verständlich erklärt.
Wenn Tierärztinnen und Tierärzte über ältere Katzen sprechen, fällt fast immer ein Begriff: chronische Nierenerkrankung, abgekürzt CNE. Sie gehört zu den häufigsten Erkrankungen bei Katzen ab etwa zehn Jahren, und mit jedem weiteren Lebensjahr steigt der Anteil der betroffenen Tiere. Die Erkrankung entwickelt sich langsam, über Monate und Jahre, und die ersten Zeichen sind so unauffällig, dass sie leicht übersehen werden.
Die gute Nachricht: Eine Nierenerkrankung ist zwar nicht heilbar, aber gut behandelbar. Viele Katzen leben nach der Diagnose noch Jahre mit guter Lebensqualität, besonders wenn die Erkrankung früh erkannt wird. Dieser Ratgeber erklärt, worauf du achten solltest und was die Behandlung umfasst.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Nieren können einen großen Teil ihrer Funktion verlieren, bevor Beschwerden auftreten.
- Frühe Zeichen sind vermehrtes Trinken und Urinieren, später Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und Erbrechen.
- Blut- und Urinuntersuchungen bei der Vorsorge können die Erkrankung früh aufdecken.
- Eine Nierendiät mit reduziertem Phosphor ist einer der wichtigsten Bausteine der Behandlung.
- Bluthochdruck ist häufig und muss behandelt werden, um Augen, Herz und Gehirn zu schützen.
Was die Nieren leisten
Die Nieren filtern Abfallstoffe aus dem Blut und scheiden sie mit dem Urin aus. Sie regulieren den Wasser- und Salzhaushalt, halten den Blutdruck im Gleichgewicht und bilden Hormone, unter anderem eines, das die Bildung roter Blutkörperchen anregt. Katzennieren können den Urin besonders stark konzentrieren, ein Erbe der wüstenbewohnenden Vorfahren.
Bei einer chronischen Nierenerkrankung gehen nach und nach funktionsfähige Nierenzellen verloren. Die Ursachen sind oft nicht eindeutig festzustellen. Eine Rolle spielen das Alter, frühere Entzündungen, Infektionen, Bluthochdruck, erbliche Erkrankungen wie Zystennieren bei bestimmten Rassen und Vergiftungen, etwa durch Lilien.
Warum die Erkrankung so lange unentdeckt bleibt
Die Nieren haben große Reserven. Erst wenn ein Großteil ihrer Funktion verloren ist, steigen die klassischen Nierenwerte im Blut, und erst dann zeigt die Katze deutliche Beschwerden. Lange vorher kann aber schon eine Veränderung auffallen: Die Nieren können den Urin nicht mehr so gut konzentrieren. Die Katze scheidet mehr verdünnten Urin aus und muss mehr trinken, um den Verlust auszugleichen.
Woran du eine Nierenerkrankung erkennst
Frühe Zeichen:
- die Katze trinkt mehr als früher, du füllst den Wassernapf öfter nach
- die Urinklumpen in der Toilette werden größer oder zahlreicher
- leichte Gewichtsabnahme
Spätere Zeichen:
- Appetitlosigkeit, wählerisches Fressen
- Gewichtsverlust und Muskelabbau, besonders am Rücken und an den Hinterbeinen
- Erbrechen, oft von Schaum oder Flüssigkeit
- Mundgeruch, manchmal mit einem chemischen, ammoniakartigen Ton
- struppiges, stumpfes Fell
- Müdigkeit, Rückzug
- Flüssigkeitsmangel, Verstopfung
- blasse Schleimhäute durch Blutarmut
Wenn du eines dieser Zeichen bemerkst, besonders bei einer älteren Katze, vereinbare einen Termin in der Tierarztpraxis.
Wie die Diagnose gestellt wird
Die Tierärztin wird deine Katze untersuchen und Blut und Urin analysieren. Wichtige Werte sind:
- Kreatinin und Harnstoff: klassische Nierenwerte, die erst steigen, wenn ein großer Teil der Nierenfunktion verloren ist
- SDMA: ein neuerer Marker, der oft früher ansteigt und hilft, die Erkrankung in einem früheren Stadium zu erkennen
- Urin-spezifisches Gewicht: zeigt, wie gut die Nieren den Urin konzentrieren
- Eiweiß im Urin: ein erhöhter Eiweißverlust beeinflusst die Prognose
- Phosphor, Kalium und rote Blutkörperchen
- Blutdruck: Bluthochdruck ist eine häufige Begleiterkrankung
Zusätzlich kann eine Ultraschalluntersuchung der Nieren sinnvoll sein. Anhand der Werte wird die Erkrankung nach einem international üblichen System, dem Schema der International Renal Interest Society (IRIS), in Stadien eingeteilt. Das Stadium bestimmt, welche Behandlung empfohlen wird.
Die Behandlung
Die Behandlung zielt darauf, die verbliebene Nierenfunktion zu schützen, das Fortschreiten zu verlangsamen und die Beschwerden zu lindern. Sie besteht aus mehreren Bausteinen, die je nach Stadium kombiniert werden.
Nierendiät
Spezielle Nierendiäten enthalten weniger Phosphor und angepasste Mengen an hochwertigem Eiweiß, dazu oft mehr Omega-3-Fettsäuren und Kalium. Studien haben gezeigt, dass eine solche Diät Katzen mit Nierenerkrankung zu einem längeren Leben mit weniger Krisen verhelfen kann. Sie ist einer der wichtigsten Teile der Behandlung.
Manche Katzen mögen das Nierenfutter nicht. Stelle langsam um, probiere verschiedene Sorten und Konsistenzen, und sprich mit der Praxis, wenn deine Katze es verweigert. Eine Katze, die gar nicht frisst, ist in größerer Gefahr als eine, die ein normales Futter frisst. Wenn die Diät nicht akzeptiert wird, können Phosphatbinder, die unter das Futter gemischt werden, eine Alternative sein.
Flüssigkeit
Katzen mit Nierenerkrankung verlieren viel Flüssigkeit über den Urin und trocknen leicht aus. Nassfutter, mehrere Wasserstellen und Trinkbrunnen helfen. In fortgeschrittenen Stadien zeigen Tierärzte Halterinnen und Haltern manchmal, wie sie ihrer Katze zu Hause Flüssigkeit unter die Haut geben können. Das klingt schwierig, ist aber für viele Katzen nach kurzer Gewöhnung gut erträglich und kann ihr Befinden deutlich verbessern.
Blutdruck
Bluthochdruck ist bei Katzen mit Nierenerkrankung häufig. Er schädigt die Nieren weiter und kann zu Netzhautablösungen mit plötzlicher Erblindung, Herzproblemen und neurologischen Ausfällen führen. Deshalb wird der Blutdruck regelmäßig gemessen und bei Bedarf mit Medikamenten gesenkt.
Eiweißverlust
Wenn die Nieren Eiweiß über den Urin verlieren, kann ein Medikament verschrieben werden, das diesen Verlust verringert.
Begleitende Beschwerden
Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Blutarmut und Kaliummangel werden gezielt behandelt. Appetitanregende und übelkeitshemmende Mittel können die Lebensqualität deutlich verbessern.
Leben mit einer nierenkranken Katze
Die Diagnose ist für viele Halterinnen und Halter ein Schock. Doch die meisten Katzen leben nach der Diagnose noch eine lange Zeit, in frühen Stadien oft mehrere Jahre. Entscheidend sind regelmäßige Kontrollen, meist alle paar Monate, damit die Behandlung angepasst werden kann.
Zu Hause kannst du viel tun:
- Biete Futter in kleinen, frischen, angewärmten Portionen an.
- Sorge für viele Wasserstellen und einen hohen Nassfutteranteil.
- Wiege deine Katze regelmäßig.
- Halte Stress gering, denn Stress kann Krisen auslösen.
- Notiere Fressverhalten, Trinkmenge, Erbrechen und Gewicht, um bei den Kontrollen genau berichten zu können.
- Gib Medikamente zuverlässig, so wie sie verordnet wurden.
Wenn sich der Zustand trotz Behandlung deutlich verschlechtert, die Katze nicht mehr frisst, stark abmagert und keine Lebensfreude mehr zeigt, wird die Tierärztin mit dir auch darüber sprechen, wann es Zeit ist, Abschied zu nehmen. Das ist eine der schwersten Entscheidungen im Leben mit einer Katze, und es ist gut, sie nicht allein treffen zu müssen.
Vorbeugen
Einer altersbedingten Nierenerkrankung lässt sich nicht sicher vorbeugen. Du kannst aber das Risiko senken und die Erkrankung früh erkennen:
- ausreichend Flüssigkeit über Nassfutter und Wasserstellen
- keine Lilien in der Wohnung, keine Schmerzmittel für Menschen
- regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen mit Blut- und Urintests ab etwa sieben bis zehn Jahren
- auf vermehrtes Trinken achten und es früh ansprechen
Häufige Fragen
Kann sich eine geschädigte Niere erholen?
Verlorenes Nierengewebe wächst nicht nach. Eine akute Verschlechterung, etwa durch Austrocknung, lässt sich aber oft behandeln, und die Werte können sich danach wieder bessern.
Soll ich schon vorsorglich ein Nierenfutter geben?
Nein. Eine gesunde Katze braucht kein Nierenfutter, und eine zu frühe Eiweißreduktion kann bei älteren Katzen zu Muskelabbau führen. Nierendiät ist für Katzen mit diagnostizierter Erkrankung gedacht.
Ist eine Nierenerkrankung schmerzhaft?
Die Erkrankung selbst verursacht meist keine starken Schmerzen, aber Übelkeit, Appetitlosigkeit und Schwäche beeinträchtigen das Wohlbefinden. Diese Beschwerden lassen sich behandeln.