Katzenfutter-Etiketten lesen: So erkennst du gutes Futter
Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfutter, Zusammensetzung, analytische Bestandteile und Trockensubstanz: wie du die Angaben auf Katzenfutter verstehst und Sorten fair vergleichst.
Im Supermarkt, in der Drogerie und im Zoofachhandel stehen hunderte Sorten Katzenfutter. Auf den Verpackungen sind saftige Fleischstücke abgebildet, es ist von „feinsten Zutaten“, „Natur pur“ und „Premium“ die Rede. Doch was tatsächlich im Futter steckt, steht nicht auf der Vorderseite, sondern im Kleingedruckten auf der Rückseite. Wer diese Angaben lesen kann, trifft bessere Entscheidungen und lässt sich von Werbebegriffen weniger beeindrucken.
Dieser Ratgeber erklärt Schritt für Schritt, was die einzelnen Angaben bedeuten und wie du verschiedene Futtersorten miteinander vergleichst.
Das Wichtigste in Kürze
- Für die tägliche Ernährung muss das Futter als Alleinfuttermittel gekennzeichnet sein.
- Die Zusammensetzung nennt die Zutaten in absteigender Reihenfolge ihres Gewichts.
- „Mit Huhn“ bedeutet nicht, dass das Futter überwiegend aus Huhn besteht.
- Nass- und Trockenfutter lassen sich nur über die Trockensubstanz fair vergleichen.
- Begriffe wie „Premium“ oder „natürlich“ sind nicht gesetzlich geschützt.
Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel?
Die wichtigste Angabe auf der Packung ist die Art des Futters:
- Alleinfuttermittel enthalten alle Nährstoffe, die eine Katze braucht, in ausreichender Menge. Eine Katze kann damit dauerhaft gesund ernährt werden, wenn sie die empfohlene Menge bekommt.
- Ergänzungsfuttermittel decken den Bedarf allein nicht. Dazu gehören die meisten Leckerli, Pasten und Snacks, aber auch manche Nassfuttersorten, die zum Beispiel nur aus Fleisch oder Fisch in Gelee bestehen. Sie dürfen nur zusätzlich gefüttert werden.
Diese Angabe steht oft klein auf der Rückseite. Viele Feuchtfutter, die wie eine vollständige Mahlzeit aussehen, sind tatsächlich nur Ergänzungsfutter. Wer sie dauerhaft als Hauptnahrung füttert, riskiert Mangelerscheinungen.
Für Kitten, erwachsene Katzen und ältere Katzen gibt es unterschiedliche Alleinfuttermittel. Ein Futter für Kitten enthält mehr Energie und bestimmte Nährstoffe für das Wachstum.
Die Zusammensetzung
Unter „Zusammensetzung“ werden alle Zutaten aufgeführt, in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils. Was zuerst steht, ist am meisten enthalten.
Dabei gibt es zwei Arten der Deklaration:
Offene Deklaration: Jede Zutat wird einzeln mit Namen und oft mit Prozentangabe genannt, zum Beispiel „Hühnerfleisch 30 %, Hühnerherzen 15 %, Rinderleber 10 %, Brühe 40 %, Mineralstoffe“. Das ist transparent.
Geschlossene Deklaration: Zutaten werden in Gruppen zusammengefasst, zum Beispiel „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (davon 4 % Huhn), Getreide, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Mineralstoffe“. Diese Form ist erlaubt und sagt nichts Schlechtes über die Qualität aus, aber du weißt nicht genau, welche Tiere und welche Teile enthalten sind.
Was sind tierische Nebenerzeugnisse?
Der Begriff klingt unappetitlich, bezeichnet aber Teile von Schlachttieren, die für den menschlichen Verzehr nicht genutzt werden, obwohl sie oft genusstauglich wären: Herz, Leber, Nieren, Lunge, Mägen und anderes. Innereien sind für Katzen nährstoffreich und gehören auch zur Beute in der Natur. Der Begriff kann aber auch weniger wertvolle Bestandteile umfassen. Bei einer geschlossenen Deklaration lässt sich das nicht unterscheiden.
Was „mit Huhn“ wirklich bedeutet
Die Bezeichnung auf der Vorderseite folgt in der europäischen Futterbranche festen Regeln, die sich am Anteil einer Zutat orientieren. Grob gilt:
| Bezeichnung | Mindestanteil der genannten Zutat |
|---|---|
| „Huhn“ als alleiniger Produktname | fast ausschließlich Huhn |
| „Huhn-Menü“, „Hühnchen-Rezept“ | mindestens 26 Prozent |
| „reich an Huhn“, „extra Huhn“ | mindestens 14 Prozent |
| „mit Huhn“ | mindestens 4 Prozent |
| „Geschmack von Huhn“ | weniger als 4 Prozent, aber erkennbar |
Ein Futter „mit Huhn“ kann also zu sechsundneunzig Prozent aus anderen Zutaten bestehen. Das ist kein Betrug, sondern eine geregelte Bezeichnung, aber es lohnt sich, die Zusammensetzung zu lesen.
Analytische Bestandteile
Unter „Analytische Bestandteile“ stehen die Ergebnisse einer chemischen Untersuchung des Futters. Das Wort „Roh“ bezeichnet dabei die Analysemethode, nicht die Qualität:
- Rohprotein: der Eiweißgehalt
- Rohfett: der Fettgehalt
- Rohfaser: unverdauliche pflanzliche Bestandteile
- Rohasche: der Mineralstoffgehalt, also das, was übrig bliebe, wenn man das Futter verbrennt
- Feuchtigkeit: der Wasseranteil
Manchmal werden zusätzlich Calcium, Phosphor, Natrium oder Magnesium angegeben.
Nass- und Trockenfutter fair vergleichen
Die Prozentangaben beziehen sich auf das Futter, wie es in der Dose oder im Beutel ist, also einschließlich Wasser. Nassfutter mit 80 Prozent Feuchtigkeit hat deshalb scheinbar wenig Protein, Trockenfutter mit 8 Prozent Feuchtigkeit scheinbar viel. Um sie fair zu vergleichen, rechnet man die Werte auf die Trockensubstanz um, also auf das, was übrig bliebe, wenn man das Wasser entfernt.
Die Formel ist einfach: Wert geteilt durch (100 minus Feuchtigkeit), mal 100.
Beispiel:
| Nassfutter | Trockenfutter | |
|---|---|---|
| Rohprotein laut Etikett | 10 % | 32 % |
| Feuchtigkeit | 80 % | 8 % |
| Rohprotein in der Trockensubstanz | 10 ÷ 20 × 100 = 50 % | 32 ÷ 92 × 100 = etwa 35 % |
Das Nassfutter enthält in diesem Beispiel bezogen auf die Trockenmasse also deutlich mehr Eiweiß als das Trockenfutter, obwohl die Zahl auf dem Etikett kleiner ist.
Kohlenhydrate abschätzen
Kohlenhydrate müssen auf Katzenfutter nicht angegeben werden. Du kannst sie aber grob schätzen: 100 minus Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Feuchtigkeit ergibt ungefähr den Anteil an Kohlenhydraten. Katzen brauchen keine Kohlenhydrate und sind auf eine eiweißreiche Ernährung ausgelegt. Ein moderater Anteil ist unproblematisch, ein sehr hoher Anteil kann bei manchen Katzen Übergewicht und Diabetes begünstigen.
Zusatzstoffe
Unter „Zusatzstoffe“ stehen Vitamine, Spurenelemente und Aminosäuren, die dem Futter gezielt zugesetzt werden, etwa Vitamin A, Vitamin D3, Vitamin E, Taurin, Zink, Eisen oder Jod. Sie sind wichtig, damit das Futter vollständig ist. Taurin ist für Katzen lebensnotwendig; ein Mangel kann Herz und Augen schädigen. In Alleinfuttermitteln ist es deshalb immer enthalten.
Daneben können technologische Zusatzstoffe wie Bindemittel, Konservierungsstoffe oder Antioxidantien enthalten sein. Sie sind zugelassen und in den erlaubten Mengen unbedenklich.
Werbebegriffe, die wenig sagen
- „Premium“, „Gourmet“, „Super-Premium“: nicht gesetzlich definiert.
- „Natürlich“, „naturnah“: sagt oft nur aus, dass keine künstlichen Konservierungs-, Farb- oder Aromastoffe zugesetzt wurden.
- „Getreidefrei“: Getreide ist für die meisten Katzen kein Problem. Getreidefreies Futter enthält oft andere Kohlenhydratquellen wie Kartoffeln oder Erbsen.
- „Ohne Zuckerzusatz“: sinnvoll, denn Zucker gehört nicht in Katzenfutter. Katzen können Süßes nicht schmecken.
- „Human Grade“: Diese Bezeichnung ist im Futtermittelrecht nicht verbindlich definiert.
Die Fütterungsempfehlung
Auf jeder Packung steht eine Fütterungsempfehlung, meist in Gramm pro Kilogramm Körpergewicht oder als Tabelle. Sie ist ein Ausgangspunkt, kein festes Gesetz. Kastrierte Wohnungskatzen brauchen oft weniger als angegeben, junge, aktive Freigänger manchmal mehr. Beobachte das Gewicht deiner Katze und passe die Menge an.
Haltbarkeit und Lagerung
Auch das beste Futter verliert an Qualität, wenn es falsch gelagert wird. Auf jeder Packung findest du ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Bis zu diesem Datum garantiert der Hersteller, dass das ungeöffnete Futter seine Eigenschaften behält.
- Nassfutter: Geöffnete Dosen und Schalen gehören abgedeckt in den Kühlschrank und sollten innerhalb von ein bis zwei Tagen verbraucht werden. Nimm die Portion rechtzeitig heraus oder wärme sie leicht an, denn kaltes Futter mögen viele Katzen nicht.
- Trockenfutter: Bewahre es in der Originalverpackung oder in einem gut schließenden Behälter auf, kühl, trocken und dunkel. Fett im Trockenfutter kann mit der Zeit ranzig werden, wenn Luft und Wärme daran kommen. Kaufe keine Riesensäcke, die monatelang offen stehen, wenn du nur eine Katze hast.
- Behälter reinigen: Wenn du Trockenfutter umfüllst, reinige den Behälter zwischendurch, bevor du ihn neu befüllst. Alte Krümel und Fettreste am Boden verderben das frische Futter.
- Chargennummer aufheben: Wenn du umfüllst, schneide den Teil der Packung mit Mindesthaltbarkeitsdatum und Chargennummer aus und bewahre ihn auf. So kannst du bei einem Rückruf prüfen, ob dein Futter betroffen ist.
Häufige Fragen
Ist teures Futter immer besser?
Nein. Der Preis hängt auch von Marketing, Verpackung und Vertrieb ab. Entscheidend sind ein vollständiges Alleinfuttermittel, eine nachvollziehbare Zusammensetzung und, dass deine Katze es gut verträgt.
Brauche ich ein Futter mit möglichst viel Protein?
Katzen brauchen viel tierisches Eiweiß. Bei bestimmten Erkrankungen, etwa einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung, kann aber eine angepasste Eiweißmenge nötig sein. Das legt die Tierärztin fest.
Was bedeutet die Chargennummer?
Mit ihr lässt sich eine Produktion zurückverfolgen. Bei Rückrufen erkennst du anhand der Charge, ob dein Futter betroffen ist.