Zum Inhalt springen
ZAVIKZarte Vierbeiner, kluge Katzenpflege

Übergewicht bei Katzen erkennen und sicher abnehmen

Woran du erkennst, ob deine Katze zu dick ist, welche Krankheiten Übergewicht begünstigt und wie eine Diät gelingt, ohne die Leber zu gefährden: langsam, messbar und mit viel Bewegung.

Eine runde Katze auf dem Sofa sieht gemütlich aus, und viele Menschen finden ein paar Pfunde zu viel bei ihrer Katze sogar niedlich. Tierärztinnen und Tierärzte sehen das anders: Übergewicht gehört zu den häufigsten Gesundheitsproblemen bei Hauskatzen, und es verkürzt das Leben. Schätzungen zufolge ist in vielen Industrieländern ein großer Teil der Hauskatzen übergewichtig, Wohnungskatzen und kastrierte Tiere besonders häufig.

Die gute Nachricht: Übergewicht lässt sich verhindern und behandeln. Die schlechte: Eine Katze abnehmen zu lassen, erfordert Geduld und Konsequenz, denn zu schnelles Abnehmen ist für Katzen gefährlich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ob eine Katze zu dick ist, zeigt der Body Condition Score besser als die Waage allein.
  • Übergewicht begünstigt Diabetes, Arthrose und Hautprobleme und verkürzt die Lebenserwartung.
  • Kastrierte Katzen brauchen deutlich weniger Energie als vorher.
  • Eine Katze soll langsam abnehmen, etwa ein Prozent ihres Körpergewichts pro Woche. Nie hungern lassen.
  • Futter abwiegen, Leckerli mitzählen und für Bewegung sorgen sind die wichtigsten Hebel.

Ist meine Katze zu dick?

Das Gewicht allein sagt wenig. Eine große, kräftige Katze kann mit sechs Kilogramm schlank sein, eine zierliche Katze ist mit fünf Kilogramm vielleicht schon zu schwer. Tierärzte verwenden deshalb eine Skala, den sogenannten Body Condition Score, der den Körperbau beurteilt. Auf der häufig verwendeten Neun-Punkte-Skala gelten vier bis fünf Punkte als ideal.

Du kannst den Zustand deiner Katze zu Hause grob einschätzen:

BeurteilungRippenTaille von obenBauch von der Seite
zu dünndeutlich sichtbarstark eingezogenstark hochgezogen
idealgut tastbar unter einer dünnen Fettschichterkennbarleicht hochgezogen, kleiner Bauchlappen möglich
übergewichtignur mit Druck tastbarkaum erkennbarrund, hängender Bauch
stark übergewichtignicht tastbarkeine Taille, Rücken breitdeutlich hängend, Fettpolster an Flanken

So tastest du die Rippen: Leg beide Hände flach an die Seiten des Brustkorbs und streiche mit leichtem Druck darüber. Du solltest die Rippen fühlen können, ungefähr so, wie du die Knöchel deines Handrückens spürst. Fühlst du sie erst, wenn du kräftig drückst, ist die Fettschicht zu dick.

Ein kleiner, lockerer Bauchlappen zwischen den Hinterbeinen ist übrigens bei vielen Katzen normal, auch bei schlanken. Er ist kein sicheres Zeichen für Übergewicht.

Warum Übergewicht gefährlich ist

Fettgewebe ist nicht einfach nur ein Polster. Es ist stoffwechselaktiv und beeinflusst Hormone und Entzündungsprozesse im Körper. Übergewichtige Katzen haben ein erhöhtes Risiko für:

  • Diabetes mellitus: Übergewicht ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Zuckerkrankheit bei Katzen.
  • Arthrose: Überlastete Gelenke verschleißen schneller. Katzen zeigen Gelenkschmerzen oft nur, indem sie weniger springen und mehr liegen.
  • Hautprobleme: Dicke Katzen erreichen ihren Rücken und ihr Hinterteil beim Putzen nicht mehr. Das Fell verfilzt, es kommt zu Schuppen und Entzündungen.
  • Harnwegsprobleme: Übergewichtige, wenig aktive Katzen sind häufiger betroffen.
  • Leberverfettung: Wenn eine übergewichtige Katze plötzlich aufhört zu fressen, etwa wegen Stress oder Krankheit, kann sie eine lebensgefährliche Leberverfettung entwickeln.
  • Narkoserisiko: Operationen und Narkosen sind bei stark übergewichtigen Tieren riskanter.

Wie Katzen zu dick werden

Die Ursache ist fast immer dieselbe: Die Katze nimmt mehr Energie auf, als sie verbraucht. Typische Gründe sind:

  • Kastration: Nach der Kastration sinkt der Energiebedarf deutlich, oft um ein Fünftel bis ein Drittel, während der Appetit eher steigt. Wer die Futtermenge nicht anpasst, hat bald eine dicke Katze.
  • Wohnungshaltung und Langeweile: Wenig Bewegung, wenig Jagd, Fressen als Beschäftigung.
  • Trockenfutter zur freien Verfügung: Ein ständig voller Napf mit energiereichen Kroketten.
  • Ungenaues Abmessen: Eine Tasse „ungefähr voll“ ist keine Mengenangabe. Wenige Gramm Trockenfutter zu viel am Tag summieren sich.
  • Leckerli und Menschenessen: Ein Stück Käse oder Wurst ist für eine Katze im Verhältnis zu ihrer Größe eine beträchtliche Kalorienmenge.
  • Mehrere Futterquellen: Freigänger, die beim Nachbarn mitessen, oder mehrere Familienmitglieder, die unabhängig voneinander füttern.

Abnehmen: langsam und kontrolliert

Zuerst zur Tierärztin

Bevor du die Futtermenge reduzierst, lass deine Katze untersuchen. Die Praxis kann Erkrankungen ausschließen, das Zielgewicht bestimmen und die richtige Energiemenge berechnen. Bei stark übergewichtigen Katzen empfiehlt sie oft ein spezielles Diätfutter, das bei geringerer Energie ausreichend Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe liefert und besser sättigt.

Das richtige Tempo

Katzen sollten langsam abnehmen, als Faustregel etwa ein Prozent ihres Körpergewichts pro Woche, höchstens zwei. Bei einer Katze mit sechs Kilogramm sind das sechzig bis hundert Gramm pro Woche. Das klingt wenig, aber über ein halbes Jahr ergibt das ein bis zwei Kilogramm, was für eine Katze sehr viel ist. Zu schnelles Abnehmen oder Fasten kann die Leber gefährden.

Futter abwiegen

Eine digitale Küchenwaage ist das wichtigste Werkzeug. Wiege jeden Morgen die Tagesration ab, sowohl Nass- als auch Trockenfutter, und verteile sie auf mehrere kleine Mahlzeiten. Was am Abend übrig ist, wird nicht nachgefüllt.

Leckerli mitzählen

Leckerli sind nicht verboten, aber sie gehören zur Tagesration. Als Faustregel sollten sie höchstens etwa zehn Prozent der täglichen Energie ausmachen. Noch besser: Nimm einige Kroketten aus der Tagesration als Belohnung.

Mehr Nassfutter

Nassfutter enthält bei gleichem Volumen deutlich weniger Kalorien als Trockenfutter und macht durch den Wasseranteil satter. Ein höherer Nassfutteranteil erleichtert vielen Katzen das Abnehmen.

Fressen zur Beschäftigung machen

Futterbälle, Fummelbretter und versteckte Kroketten verlangsamen das Fressen und beschäftigen die Katze. Sie muss für ihre Mahlzeit arbeiten, so wie sie es in der Natur bei der Jagd tun würde.

Bewegung

Spiele täglich mehrmals mit deiner Katze, am besten mit einer Federangel. Schon zwei oder drei Spieleinheiten von je fünf bis zehn Minuten machen einen Unterschied. Stell Futter und Wasser an verschiedene Orte, gern auch erhöht, damit die Katze sich bewegen muss. Bei übergewichtigen Katzen mit Gelenkproblemen steigere die Aktivität behutsam.

Den Fortschritt messen

Wiege deine Katze alle ein bis zwei Wochen, am besten zur gleichen Tageszeit. Eine Babywaage ist genauer als die Methode, sich selbst mit und ohne Katze auf die Personenwaage zu stellen. Notiere die Werte. Wenn das Gewicht über drei Wochen nicht sinkt, sprich mit deiner Tierärztin über eine weitere Anpassung der Menge.

Wenn das Zielgewicht erreicht ist, wird die Futtermenge leicht erhöht, damit die Katze das Gewicht hält. Viele Katzen nehmen nach einer Diät wieder zu, wenn die alten Gewohnheiten zurückkehren.

Mehrkatzenhaushalt: Wenn nur eine abnehmen soll

Das ist eine der größten Herausforderungen. Mögliche Lösungen:

  • getrennte Fütterung in verschiedenen Räumen zu festen Zeiten
  • Futterautomaten, die sich per Mikrochip nur für eine bestimmte Katze öffnen
  • erhöhte Futterplätze für die schlanke, sportliche Katze, die die schwerere nicht erreicht

Häufige Fragen

Meine Katze bettelt ständig. Hat sie Hunger?

Betteln ist oft erlernt: Die Katze hat gelernt, dass Miauen Futter bringt. Feste Mahlzeiten, Futterspielzeug und Zuwendung in Form von Spiel statt Futter helfen, das Betteln zu reduzieren.

Kann ich einfach die Futtermenge halbieren?

Bitte nicht ohne Rücksprache. Eine zu starke Reduktion kann die Leber gefährden und zu Nährstoffmängeln führen. Die Tierärztin berechnet die sichere Menge.

Ist Light-Futter sinnvoll?

Light-Produkte enthalten meist weniger Energie, aber nicht immer deutlich. Für das Abnehmen ist eine gezielte Diät mit tierärztlicher Begleitung meist wirksamer. Light-Futter eignet sich eher, um ein gehaltenes Gewicht zu stabilisieren.

Weiterlesen

Passende Ratgeber