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Medikamente eingeben: Tabletten, Tropfen und Spot-ons ohne Kampf

Tabletten, Flüssigkeiten, Augen- und Ohrentropfen und Spot-ons: Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Tipps für Katzen, die sich gegen Medikamente wehren.

Früher oder später muss fast jede Katze einmal Medikamente nehmen: eine Wurmkur, ein Antibiotikum nach einer Bisswunde, Schmerzmittel nach einer Operation oder dauerhaft ein Medikament gegen eine chronische Erkrankung. Und fast jede Katzenhalterin, jeder Katzenhalter kennt die Szene: Die Tablette ist im Maul, die Katze schluckt scheinbar, und eine Minute später liegt sie unversehrt auf dem Teppich.

Katzen haben einen feinen Geschmackssinn, sind misstrauisch gegenüber Neuem und können sich erstaunlich geschickt wehren. Mit der richtigen Technik, etwas Übung und Geduld gelingt die Eingabe aber in den meisten Fällen. Dieser Ratgeber zeigt, wie es geht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gib Medikamente genau nach Anweisung der Tierärztin: Dosis, Zeitpunkt, Dauer.
  • Frag, ob das Medikament mit Futter gegeben werden darf und ob es andere Darreichungsformen gibt.
  • Nach einer Tablette ohne Futter immer etwas Wasser oder Futter nachgeben, damit sie nicht in der Speiseröhre stecken bleibt.
  • Medikamente für Menschen oder Hunde niemals ohne tierärztliche Anweisung geben.
  • Bei großer Gegenwehr: Lass dir die Technik in der Praxis zeigen oder frag nach Alternativen.

Vor dem Start: die richtigen Fragen

Bevor du das erste Mal ein Medikament gibst, kläre in der Praxis:

  • Mit oder ohne Futter? Manche Medikamente müssen auf nüchternen Magen gegeben werden, andere mit einer Mahlzeit.
  • Darf die Tablette geteilt oder zerkleinert werden? Manche Tabletten haben eine Schutzschicht oder geben ihren Wirkstoff verzögert ab und dürfen nicht zerkleinert werden. Andere schmecken zerkleinert sehr bitter.
  • Gibt es Alternativen? Viele Wirkstoffe gibt es auch als Flüssigkeit, als Paste, als schmackhafte Kautablette, als Spot-on oder als Langzeitspritze. Manche Apotheken können Medikamente in eine für Katzen besser geeignete Form bringen.
  • Was tun, wenn eine Dosis vergessen oder ausgespuckt wurde? Nicht einfach die doppelte Menge geben, sondern nachfragen.

Tabletten im Futter verstecken

Die einfachste Methode, wenn sie funktioniert: Die Tablette wird in etwas Leckerem versteckt.

  • Spezielle Tablettenverstecke: Im Handel gibt es weiche Snacks, die man um eine Tablette formt.
  • Ein Klecks Pastete oder Leberwurst für Katzen, ein Stück weiches Nassfutter, ein wenig Frischkäse in kleinen Mengen.

So geht es am besten:

  1. Gib zuerst einen kleinen Bissen ohne Tablette. So wird die Katze nicht misstrauisch.
  2. Dann den Bissen mit der Tablette.
  3. Danach wieder einen Bissen ohne Tablette.

Verstecke die Tablette nicht in der ganzen Mahlzeit. Frisst die Katze nur die Hälfte, weißt du nicht, wie viel Wirkstoff sie bekommen hat, und sie könnte das Futter künftig ablehnen.

Viele Katzen sind sehr gut darin, Tabletten aus Futter herauszusortieren. Wenn das passiert, versuche es nicht wochenlang weiter, sondern wechsle zur direkten Eingabe.

Tabletten direkt eingeben

Diese Methode wirkt anfangs schwierig, ist aber mit Übung oft schnell und sicher erledigt.

  1. Vorbereitung: Lege die Tablette, etwas Wasser in einer Spritze ohne Nadel und ein Leckerli bereit. Wenn deine Katze sich wehrt, wickle sie locker in ein Handtuch, sodass nur der Kopf herausschaut.
  2. Position: Setze dich auf den Boden oder stell die Katze auf einen Tisch, mit dem Hinterteil zu dir oder gegen deinen Körper, damit sie nicht rückwärts ausweichen kann.
  3. Kopf halten: Lege die Hand von oben über den Kopf der Katze, Daumen und Zeigefinger hinter den Eckzähnen an den Mundwinkeln.
  4. Kopf nach hinten neigen: Kippe den Kopf sanft nach oben, sodass die Nase zur Decke zeigt. Viele Katzen öffnen dabei bereits leicht das Maul.
  5. Maul öffnen: Mit dem Mittelfinger der anderen Hand, in der du die Tablette zwischen Daumen und Zeigefinger hältst, drückst du sanft auf die vorderen Schneidezähne des Unterkiefers.
  6. Tablette platzieren: Lege die Tablette möglichst weit hinten mittig auf die Zunge. Je weiter hinten, desto eher wird sie geschluckt.
  7. Maul schließen: Schließe das Maul und halte es kurz geschlossen, den Kopf leicht erhoben. Streiche sanft über den Hals oder puste leicht auf die Nase, das regt das Schlucken an.
  8. Nachspülen: Gib mit der Spritze etwas Wasser seitlich ins Maul oder biete gleich danach einen Bissen Futter an.
  9. Belohnen: Ein Leckerli und ein Lob beenden die Prozedur positiv.

Warum Nachspülen wichtig ist: Tabletten, die ohne Flüssigkeit geschluckt werden, können in der Speiseröhre stecken bleiben. Manche Wirkstoffe, etwa bestimmte Antibiotika, können dort Entzündungen und Verengungen verursachen. Deshalb nach jeder trocken gegebenen Tablette etwas Wasser oder Futter hinterhergeben.

Es gibt auch Tablettengeber, eine Art Spritze mit weicher Spitze, mit der die Tablette weit hinten auf der Zunge abgelegt wird, ohne dass die Finger ins Maul müssen. Lass dir in der Praxis zeigen, wie sie richtig verwendet werden.

Flüssige Medikamente

Flüssige Medikamente werden mit einer Dosierspritze ohne Nadel gegeben:

  1. Die genaue Menge aufziehen.
  2. Den Kopf der Katze ruhig halten, aber nicht weit nach hinten kippen, sonst kann sie sich verschlucken.
  3. Die Spritze seitlich in den Mundwinkel hinter die Eckzähne einführen.
  4. Die Flüssigkeit langsam in kleinen Portionen abgeben und der Katze Zeit zum Schlucken lassen.
  5. Belohnen.

Wenn die Katze stark speichelt oder schäumt, schmeckt das Medikament wahrscheinlich bitter. Frag nach einer anderen Darreichungsform oder einer geschmacklich verbesserten Zubereitung.

Augentropfen und Augensalbe

  1. Hände waschen.
  2. Den Kopf der Katze von hinten mit einer Hand halten und leicht nach oben neigen.
  3. Mit dem Daumen das obere Augenlid sanft anheben.
  4. Den Tropfen von oben und leicht von hinten ins Auge fallen lassen, ohne das Auge mit der Flasche zu berühren. Wenn die Katze die Flasche nicht direkt vor sich sieht, erschrickt sie weniger.
  5. Bei Salbe einen kleinen Strang in den unteren Bindehautsack legen.
  6. Das Auge kurz schließen lassen und sanft darüber streichen, damit sich das Mittel verteilt.

Bei mehreren Augenmedikamenten einige Minuten Abstand zwischen den einzelnen Mitteln lassen, wenn nichts anderes verordnet wurde.

Ohrentropfen

  1. Die Ohrmuschel sanft nach oben ziehen, damit der Gehörgang gestreckt wird.
  2. Die verordnete Menge in den Gehörgang tropfen.
  3. Den Ohrgrund von außen sanft massieren, sodass ein schmatzendes Geräusch entsteht.
  4. Die Katze schüttelt danach meist den Kopf. Überschüssiges Mittel an der Ohrmuschel mit einem weichen Tuch abwischen. Keine Wattestäbchen in den Gehörgang.

Spot-ons

Spot-ons sind Flüssigkeiten, die auf die Haut geträufelt werden, meist gegen Parasiten, manchmal auch andere Wirkstoffe.

  1. Das Fell im Nacken zwischen den Schulterblättern scheiteln, an einer Stelle, die die Katze mit der Zunge nicht erreicht.
  2. Die Flüssigkeit direkt auf die Haut geben, nicht auf das Fell.
  3. Die Katze einige Zeit nicht streicheln an dieser Stelle und Kinder nicht mit ihr kuscheln lassen, bis die Stelle trocken ist.
  4. In Mehrkatzenhaushalten darauf achten, dass sich die Katzen nicht gegenseitig ablecken, bis das Mittel eingezogen ist.

Verwende nur Präparate, die ausdrücklich für Katzen zugelassen sind. Mittel für Hunde können Wirkstoffe enthalten, die für Katzen tödlich sind.

Wenn deine Katze sich stark wehrt

  • Ruhe bewahren: Hektik überträgt sich auf die Katze.
  • Zu zweit arbeiten: Eine Person hält die Katze, die andere gibt das Medikament.
  • Handtuch-Methode: Eine locker in ein Handtuch gewickelte Katze kann nicht kratzen und fühlt sich manchmal sogar sicherer.
  • Training außerhalb der Behandlungszeit: Übe das Kopfhalten und Maulöffnen mit Leckerli, wenn kein Medikament nötig ist.
  • Nicht aufgeben, sondern fragen: Wenn es trotz allem nicht klappt, sag es der Tierärztin ehrlich. Es gibt fast immer Alternativen, etwa Langzeitspritzen oder andere Präparate. Ein Medikament, das nicht ankommt, hilft nicht.

Medikamente richtig aufbewahren

  • Außer Reichweite von Kindern und Tieren lagern.
  • Hinweise zur Kühlung beachten.
  • Geöffnete Augentropfen und Flüssigkeiten haben oft nur eine begrenzte Haltbarkeit nach Anbruch.
  • Die Behandlung nicht eigenmächtig abbrechen, auch wenn es der Katze besser geht, besonders bei Antibiotika.
  • Reste nicht für spätere Erkrankungen aufbewahren oder an andere Tiere weitergeben, ohne Rücksprache.

Häufige Fragen

Kann ich die Tablette zerkleinern und unters Futter mischen?

Nur, wenn die Tierärztin es erlaubt. Viele zerkleinerte Tabletten schmecken bitter, sodass die Katze das ganze Futter verweigert. Manche Tabletten dürfen gar nicht zerkleinert werden.

Meine Katze hat die Tablette ausgespuckt. Soll ich eine neue geben?

Wenn die Tablette vollständig wieder herausgekommen ist, kannst du es in der Regel noch einmal versuchen. Wenn du nicht sicher bist, wie viel geschluckt wurde, frag in der Praxis nach.

Darf ich meiner Katze ein Schmerzmittel aus meiner Hausapotheke geben?

Nein. Viele Schmerzmittel für Menschen, besonders Paracetamol, aber auch Ibuprofen und Aspirin, können für Katzen schon in kleinen Mengen tödlich sein.

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