Zweitkatze vergesellschaften: Schritt für Schritt zum Katzenfrieden
Getrennte Räume, Duftaustausch, Füttern an der Tür und kurze Begegnungen: wie du eine zweite Katze behutsam an deine erste gewöhnst und Fehler vermeidest, die lange nachwirken.
Zwei Katzen, die zusammen spielen, sich gegenseitig putzen und eng aneinandergekuschelt schlafen: Das ist das Bild, das viele vor Augen haben, wenn sie über eine Zweitkatze nachdenken. Es kann so kommen. Aber es kommt nicht von allein. Katzen sind Revier-Tiere, und eine fremde Katze ist für sie zunächst ein Eindringling. Ob aus zwei Katzen ein Paar wird, hängt sehr davon ab, wie die ersten Wochen verlaufen.
Der häufigste Fehler ist Ungeduld: Die neue Katze wird ins Wohnzimmer gesetzt, man hofft, dass „die das schon unter sich ausmachen“, und erntet Fauchen, Prügeleien und manchmal eine monatelange Feindschaft. Dieser Ratgeber zeigt, wie es besser geht.
Das Wichtigste in Kürze
- Wähle eine Zweitkatze, die von Alter und Temperament zu deiner ersten passt.
- Beginne mit getrennten Räumen und lass die Katzen sich zuerst über Gerüche kennenlernen.
- Steigere den Kontakt in kleinen Schritten: Duft, Hören, Sehen, kurze Treffen.
- Rechne mit Wochen, nicht mit Tagen. Fauchen ist normal, ernsthafte Kämpfe sind ein Zeichen, einen Schritt zurückzugehen.
Passt eine Zweitkatze?
Nicht jede Katze wünscht sich Gesellschaft. Manche haben jahrelang allein gelebt und kommen mit anderen Katzen nicht gut zurecht, andere haben schlechte Erfahrungen gemacht. Gleichzeitig leiden viele Wohnungskatzen, deren Menschen tagsüber außer Haus sind, unter Langeweile, und eine passende Partnerin kann ihr Leben deutlich bereichern.
Hinweise, dass deine Katze sich über Gesellschaft freuen könnte:
- sie ist jung, verspielt und fordert ständig Aufmerksamkeit
- sie hat früher mit anderen Katzen zusammengelebt und sich gut verstanden
- sie ist viele Stunden am Tag allein und wirkt gelangweilt
Vorsicht ist geboten, wenn deine Katze sehr alt oder krank ist, wenn sie auf Katzen vor dem Fenster mit starker Aufregung reagiert oder wenn sie im Tierheim als Einzelkatze vermittelt wurde.
Die richtige Partnerin finden
Die besten Chancen haben Katzen, die sich in Alter, Temperament und Spielverhalten ähneln. Ein junger, wilder Kater, der mit Vorliebe Raufspiele macht, wird eine ruhige, zwölfjährige Kätzin eher stressen als erfreuen. Zwei verspielte junge Katzen dagegen ergänzen sich meist gut.
Das Geschlecht spielt bei kastrierten Katzen eine geringere Rolle als der Charakter. Frag im Tierheim gezielt nach Katzen, die andere Katzen mögen, und erzähle ausführlich, wie deine erste Katze ist. Manche Tierheime bieten an, eine Katze nach einer missglückten Zusammenführung zurückzunehmen.
Vorbereitung: zwei Reviere
Bevor die neue Katze einzieht, richte für sie ein eigenes Zimmer ein, mit Toilette, Futter, Wasser, Versteck, Kratzmöglichkeit und Schlafplatz. Die Tür zu diesem Zimmer bleibt zunächst geschlossen. Die erste Katze behält den Rest der Wohnung und ihre gewohnten Plätze.
Plane in der ganzen Wohnung genug Ressourcen für zwei ein: mehrere Futterplätze, Wasserstellen, Kratzbäume und mindestens drei Toiletten. Katzen streiten selten aus Abneigung, aber oft um knappe Ressourcen. Wenn es von allem genug gibt, sinkt die Spannung.
Schritt 1: Kennenlernen über Gerüche
Katzen erkennen sich zuerst an ihrem Geruch. Bevor sie sich sehen, sollen sie sich riechen und den Geruch der anderen mit etwas Angenehmem verbinden.
- Duft tauschen: Streiche mit einem weichen Tuch sanft über die Wangen der einen Katze und lege es in den Bereich der anderen. Tausche auch Decken und Schlafkissen aus.
- Räume tauschen: Lass die neue Katze für eine Stunde die Wohnung erkunden, während die erste Katze im Gästezimmer ist, und umgekehrt. So vermischen sich die Gerüche im ganzen Revier.
- Füttern an der Tür: Stell die Futternäpfe beider Katzen auf die jeweilige Seite der geschlossenen Tür, zunächst mit etwas Abstand, später näher. Die Katzen riechen und hören sich beim Fressen und verbinden die Anwesenheit der anderen mit etwas Gutem.
Dieser Schritt dauert in der Regel einige Tage bis zu einer Woche. Du kannst weitergehen, wenn beide Katzen entspannt an der Tür fressen und nicht mehr fauchen, wenn sie die andere riechen.
Schritt 2: Sichtkontakt mit Abstand
Als Nächstes sollen sich die Katzen sehen, ohne sich erreichen zu können. Gut geeignet ist ein Gitter, wie es für Babys verwendet wird, ein Fliegengitter im Türrahmen oder eine nur einen Spalt geöffnete, gesicherte Tür.
Füttere beide Katzen auf ihrer Seite des Gitters, spiele mit beiden gleichzeitig mit einer Federangel oder gib Leckerli. Ziel ist, dass die Katzen sich sehen und dabei positive Erfahrungen machen. Halte diese Phasen kurz und beende sie, bevor eine Katze sich aufregt.
Schritt 3: kurze, begleitete Treffen
Wenn beide Katzen entspannt durch das Gitter schauen, fressen und spielen, können die ersten direkten Treffen stattfinden. Öffne die Tür zu einer Zeit, in der du dabeibleiben kannst, und beschäftige die Katzen mit Spiel oder Futter. Halte das erste Treffen kurz und beende es in einem entspannten Moment, nicht erst, wenn die Stimmung kippt.
Mit der Zeit verlängerst du die gemeinsamen Phasen. Lass die Katzen erst dann unbeaufsichtigt zusammen, wenn sie sich über mehrere Tage hinweg ohne ernsthafte Auseinandersetzungen begegnet sind.
Fauchen, Knurren, Prügeln: was normal ist
Ein gewisses Maß an Fauchen, Knurren und Drohen gehört dazu. So verhandeln Katzen ihre Grenzen. Auch kurze Rangeleien, nach denen beide sich wieder entspannen, sind meist unproblematisch.
| Verhalten | Einschätzung |
|---|---|
| gelegentliches Fauchen, Abwenden | normal, die Katzen setzen Grenzen |
| Verfolgen im Spiel, mit Rollentausch | meist Spiel, wenn beide abwechselnd jagen |
| Anstarren, Lauern vor Toilette oder Futterplatz | Warnsignal, Ressourcen-Konkurrenz |
| ernsthafte Kämpfe mit Schreien, Fellbüscheln, Verletzungen | Abbruch, einen Schritt zurück |
| eine Katze versteckt sich dauerhaft, frisst nicht, wird unsauber | Stress, langsamer vorgehen und tierärztlich abklären |
Wenn es zu einem ernsthaften Kampf kommt, greif nicht mit den Händen ein. Wirf eine Decke zwischen die Katzen, mach ein lautes Geräusch oder schiebe ein Kissen dazwischen. Trenne die Katzen danach wieder und beginne einige Schritte früher.
Häufige Fehler
- Zu schnell vorgehen. Wer die Katzen am ersten Tag zusammensetzt, riskiert, dass der erste Eindruck ein Kampf ist. Diesen Eindruck zu korrigieren, dauert viel länger, als ihn zu vermeiden.
- „Die regeln das unter sich.“ Katzen regeln Konflikte nicht wie Hunde über eine klare Rangordnung. Eine unterlegene Katze kann über Monate leiden, ohne dass es auffällt.
- Strafen. Eine Katze, die faucht, wird angeschrien oder mit Wasser bespritzt. Sie lernt daraus nicht, die andere Katze zu mögen, sondern dass deren Nähe unangenehme Folgen hat.
- Die erste Katze vernachlässigen. Wer sich nur noch um den Neuzugang kümmert, verunsichert die erste Katze zusätzlich. Halte ihre Rituale bei, spiel mit ihr und gib ihr ihre gewohnten Plätze.
- Zu wenig Ressourcen. Eine Toilette und ein Napf für zwei Katzen sind ein Rezept für Streit.
Wie lange dauert es?
Manche Katzen verstehen sich nach wenigen Tagen. Bei den meisten dauert es einige Wochen, bei manchen mehrere Monate. Entscheidend ist nicht, dass sie beste Freundinnen werden. Viele Katzenpaare leben friedlich nebeneinander, ohne zusammen zu schlafen. Das ist ein guter Ausgang.
Wenn sich nach zwei bis drei Monaten trotz geduldigen Vorgehens keine Besserung zeigt, eine Katze dauerhaft unter Stress steht oder es immer wieder zu Verletzungen kommt, lass dich von einer Tierärztin mit Schwerpunkt Verhaltensmedizin beraten. Manchmal ist es für beide Katzen das Beste, wenn eine von ihnen ein anderes Zuhause findet.
Häufige Fragen
Kann ich ein Kitten zu einer älteren Katze setzen?
Das kann klappen, aber ein einzelnes Kitten wird eine ältere Katze mit seinem Spieltrieb oft überfordern. Besser funktioniert es meist, wenn das Kitten einen gleichaltrigen Spielpartner hat oder die ältere Katze selbst noch sehr verspielt ist.
Soll ich Pheromonstecker verwenden?
Zerstäuber mit synthetischen Katzenpheromonen können die Stimmung bei manchen Katzen etwas entspannen. Sie ersetzen aber nicht das schrittweise Vorgehen.
Was, wenn die neue Katze sofort zur ersten will?
Auch neugierige, freundliche Katzen profitieren von einer langsamen Zusammenführung. Die erste Katze hat ein Recht darauf, ihr Revier nicht plötzlich teilen zu müssen. Wenn beide sich durch das Gitter freundlich begegnen, kannst du die Schritte aber zügiger gehen.