Katze und Kinder: Regeln für ein gutes Miteinander
Wie Kinder und Katzen Freunde werden: altersgerechte Regeln, Rückzugsorte für die Katze, Hygiene, Schwangerschaft und Baby sowie die Frage, wie viel Verantwortung Kinder übernehmen können.
Viele Erwachsene erinnern sich an eine Katze aus ihrer Kindheit: eine, die beim Hausaufgabenmachen auf dem Heft lag, der man Geheimnisse anvertraute, die nachts am Fußende schlief. Katzen können für Kinder wunderbare Gefährten sein. Sie lehren Rücksicht, Geduld und das Gespür dafür, dass ein anderes Wesen eigene Bedürfnisse hat.
Damit das gelingt, brauchen beide Seiten Regeln: die Kinder, damit sie lernen, wie man mit einer Katze umgeht, und die Katze, damit sie Orte hat, an denen sie ihre Ruhe findet. Dieser Ratgeber zeigt, worauf es in welchem Alter ankommt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Katze entscheidet, wann sie Kontakt möchte. Kinder lernen, sie kommen zu lassen.
- Jede Katze braucht Rückzugsorte, an denen Kinder sie nicht stören dürfen.
- Kleinkinder und Katzen nie unbeaufsichtigt zusammen lassen.
- Die Verantwortung für die Katze bleibt immer bei den Erwachsenen.
- Schwangere sollten die Katzentoilette möglichst nicht selbst reinigen.
Welche Katze passt zu einer Familie?
Wenn eine Katze in eine Familie mit Kindern zieht, ist ihr Charakter wichtiger als ihr Aussehen. Gut geeignet sind erwachsene, gelassene Katzen, die Kinder bereits kennen und nicht bei jedem lauten Geräusch flüchten. Frag im Tierheim gezielt danach.
Sehr scheue Katzen, Katzen mit schlechten Erfahrungen und sehr junge Kitten sind für Familien mit kleinen Kindern weniger geeignet. Kitten sind zerbrechlich, und Kinder können noch nicht einschätzen, wann ein Spiel zu wild wird. Umgekehrt kratzen und beißen junge Katzen im Spiel noch ungehemmt.
Die Grundregeln für Kinder
Diese Regeln können schon kleine Kinder verstehen, wenn man sie ihnen geduldig erklärt und vorlebt:
- Die Katze kommt zu dir, nicht du zur Katze. Wenn die Katze Kontakt möchte, kommt sie. Läuft sie weg, wird sie nicht verfolgt.
- Schlafende und fressende Katzen lässt man in Ruhe. Genau wie Menschen mögen Katzen es nicht, beim Schlafen oder Essen gestört zu werden.
- Sanft streicheln, nur an Kopf, Wangen und Rücken. Bauch, Pfoten und Schwanz sind für viele Katzen tabu.
- Nicht am Schwanz ziehen, nicht festhalten, nicht hochheben. Kleine Kinder können eine Katze nicht richtig tragen und lassen sie fallen, wenn sie zappelt.
- Leise sein in der Nähe der Katze. Schreien, Rennen und Türenknallen machen Katzen Angst.
- Die Verstecke der Katze sind tabu. Wenn die Katze sich zurückzieht, will sie allein sein.
- Nicht mit Händen oder Füßen spielen. Zum Spielen gibt es Federangeln und Bälle. Wer mit den Händen spielt, wird gekratzt.
Körpersprache verstehen lernen
Kinder lernen schnell, wenn man ihnen zeigt, was die Katze sagt. Erkläre ihnen ein paar wichtige Zeichen:
| Zeichen | Was die Katze sagt |
|---|---|
| Schwanz steil nach oben | „Hallo, schön, dich zu sehen“ |
| langsames Blinzeln | „Ich vertraue dir“ |
| Schwanz peitscht hin und her | „Ich bin genervt, hör auf“ |
| Ohren nach hinten oder zur Seite gedreht | „Mir ist das unangenehm“ |
| Fauchen, Knurren | „Geh weg, sonst wehre ich mich“ |
| Katze steht auf und geht | „Ich habe genug“ |
Wenn eine Katze ein Kind kratzt, hat sie fast immer vorher gewarnt. Kinder, die diese Warnungen erkennen, werden selten gekratzt.
Rückzugsorte für die Katze
In einer Familie mit Kindern ist es oft laut und lebhaft. Die Katze braucht deshalb Orte, an denen sie sicher vor Kinderhänden ist:
- erhöhte Plätze: ein hoher Kratzbaum, ein Regalbrett, der Schrank. Von oben kann die Katze das Geschehen beobachten, ohne mittendrin zu sein.
- ein ruhiges Zimmer: zum Beispiel das Schlafzimmer der Eltern, in das die Katze jederzeit flüchten kann.
- Futter- und Toilettenplätze, die Kinder nicht erreichen oder nicht betreten dürfen. Eine Katze, die auf der Toilette gestört wird, sucht sich einen anderen Ort.
Für Krabbelkinder kann ein Türgitter mit Katzenklappe sinnvoll sein: Die Katze kommt hindurch, das Kind nicht.
Was Kinder in welchem Alter können
Kinder können und sollen Verantwortung für die Katze übernehmen, aber altersgerecht. Die Gesamtverantwortung bleibt immer bei den Erwachsenen.
| Alter | Was Kinder übernehmen können |
|---|---|
| bis 3 Jahre | zuschauen, mit Hilfe vorsichtig streicheln; nie allein mit der Katze |
| 4 bis 6 Jahre | Futter in den Napf geben unter Aufsicht, Wasser auffüllen, mit der Federangel spielen |
| 7 bis 10 Jahre | füttern nach Plan, Spielzeiten übernehmen, beim Bürsten helfen |
| ab 11 Jahren | Katzentoilette reinigen mit Handschuhen, Futtermengen im Blick behalten, Katze in den Ferien mitversorgen |
Ein Plan am Kühlschrank hilft, Aufgaben klar zu verteilen. Rechne aber damit, dass Kinder Aufgaben vergessen. Kontrolliere täglich, ob die Katze Futter, Wasser und eine saubere Toilette hat.
Hygiene im Familienalltag
Gesunde, geimpfte und regelmäßig entwurmte Katzen sind für Kinder kein Gesundheitsrisiko, wenn ein paar einfache Regeln gelten:
- Nach dem Streicheln und vor dem Essen werden die Hände gewaschen.
- Kinder reinigen die Katzentoilette erst ab einem gewissen Alter und mit Handschuhen.
- Die Katze wird regelmäßig gegen Würmer behandelt oder der Kot wird untersucht, wie es deine Tierarztpraxis empfiehlt. Bei Freigängern und in Haushalten mit kleinen Kindern raten Fachleute oft zu häufigeren Kontrollen.
- Kratzer werden gereinigt. Wird ein Kratzer rot, warm oder geschwollen, oder schwellen Lymphknoten an, sollte das Kind ärztlich untersucht werden.
- Futternäpfe werden nicht in der Spüle mit dem Familiengeschirr gespült, wenn sich das vermeiden lässt.
Schwangerschaft und Baby
Viele werdende Eltern fragen sich, ob die Katze bleiben kann. Die Antwort ist in fast allen Fällen: ja.
Toxoplasmose: Der Erreger kann über Katzenkot übertragen werden und ist für ungeborene Kinder gefährlich, wenn sich die Mutter in der Schwangerschaft zum ersten Mal ansteckt. Die Eier im Kot werden allerdings erst nach ein bis fünf Tagen ansteckend. Deshalb gilt: Die Toilette täglich reinigen, und zwar möglichst von jemand anderem. Wenn die Schwangere es selbst tun muss, dann mit Handschuhen und gründlichem Händewaschen. Wichtig zu wissen: Häufiger stecken sich Menschen über rohes Fleisch und ungewaschenes Gemüse an als über ihre Katze. Ob du bereits geschützt bist, kann deine Frauenärztin mit einem Bluttest feststellen.
Vorbereitung auf das Baby: Gewöhne die Katze schon vor der Geburt an Veränderungen: an das neue Kinderzimmer, an Babygeräusche, die du leise abspielen kannst, an den Geruch von Babycreme. Verändere ihre Fütterungs- und Toilettenplätze nicht kurz vor der Geburt.
Nach der Geburt: Lass die Katze am Baby schnuppern, während du es hältst. Lass Katze und Baby nie unbeaufsichtigt zusammen, und schließ die Tür zum Kinderzimmer, wenn das Baby schläft. Die Sorge, dass Katzen Babys „den Atem stehlen“, ist ein Mythos. Eine Katze kann sich aber in ein warmes Kinderbett legen, und das sollte man verhindern.
Gib der Katze auch nach der Geburt bewusst Zuwendung. Eine Katze, die plötzlich übersehen wird, kann mit Stress reagieren, etwa mit Unsauberkeit.
Wenn ein Kind allergisch ist
Eine Katzenallergie ist häufig und sollte ärztlich abgeklärt werden, bevor eine Katze einzieht, wenn in der Familie bereits Allergien bekannt sind. Verbringt das Kind vorher Zeit mit Katzen, etwa bei Freunden, zeigt sich oft schon, ob es reagiert. Eine Katze aus der Familie wieder abgeben zu müssen, ist für alle schmerzlich und lässt sich durch Vorsicht vor dem Einzug oft vermeiden.
Häufige Fragen
Darf die Katze im Kinderbett schlafen?
Bei Babys und Kleinkindern nein. Bei älteren Kindern ist es eine Frage der Hygiene und der persönlichen Entscheidung. Eine gesunde, entwurmte Katze ist im Bett eines Schulkindes in der Regel unproblematisch.
Unsere Katze kratzt die Kinder. Was tun?
Beobachte genau, in welchen Situationen es passiert. Meist wird die Katze bedrängt, festgehalten oder mit den Händen zum Spielen animiert. Ändere diese Situationen und gib der Katze mehr Rückzugsorte. Kratzt sie ohne erkennbaren Grund, lass sie tierärztlich untersuchen, denn Schmerzen machen Katzen reizbar.
Ab wann kann ein Kind eine eigene Katze haben?
Eine Katze ist nie ganz die Katze eines Kindes. Sie gehört zur Familie, und die Erwachsenen tragen die Verantwortung. Ab dem Grundschulalter können Kinder aber eine enge Beziehung zu einer Katze aufbauen und viele Aufgaben übernehmen.