Ist meine Katze krank? Leise Warnzeichen richtig deuten
Katzen verbergen Schmerzen meisterhaft. Welche leisen Veränderungen auf Krankheit hinweisen und wie du Atmung, Gewicht und Schleimhäute selbst prüfst.
„Sie hat sich nichts anmerken lassen.“ Diesen Satz hören Tierärztinnen und Tierärzte sehr oft, wenn eine Katze mit einer fortgeschrittenen Erkrankung in die Praxis kommt. Katzen sind darauf programmiert, Schwäche zu verbergen. In der Natur ist eine kranke Katze für Fressfeinde eine leichte Beute und für Rivalen ein leichter Gegner. Deshalb zeigen Katzen Schmerzen und Krankheit oft erst, wenn es nicht mehr anders geht.
Für Katzenhalterinnen und Katzenhalter bedeutet das: Man muss genau hinschauen. Nicht die dramatischen Symptome sind das Problem, sondern die kleinen Veränderungen, die man leicht übersieht. Dieser Ratgeber zeigt, worauf du achten solltest.
Das Wichtigste in Kürze
- Achte auf Veränderungen gegenüber dem normalen Verhalten deiner Katze, nicht auf Einzelbeobachtungen.
- Rückzug, weniger Putzen, verändertes Fressen und Veränderungen auf der Toilette sind häufige frühe Zeichen.
- Eine Katze, die einen ganzen Tag nichts frisst, gehört zur Tierärztin.
- Lerne die normalen Werte deiner Katze kennen: Gewicht, Atmung, Farbe der Schleimhäute.
- Atemnot, Harnverhalt und Vergiftungen sind Notfälle.
Kenne deine Katze im gesunden Zustand
Der wichtigste Schritt, um Krankheiten früh zu erkennen, ist, deine Katze im gesunden Zustand gut zu kennen. Wie viel frisst sie normalerweise? Wie oft geht sie zur Toilette, und wie groß sind die Klumpen? Wo schläft sie gern? Wie reagiert sie, wenn du nach Hause kommst? Wie viel putzt sie sich?
Wenn du diese Dinge weißt, fallen dir Abweichungen auf. Eine Katze, die immer zur Begrüßung an die Tür kommt und es plötzlich nicht mehr tut, sendet ein Signal, auch wenn sie sonst gesund wirkt.
Verhaltensänderungen
Veränderungen im Verhalten gehören oft zu den ersten Zeichen, dass etwas nicht stimmt:
- Rückzug: Die Katze versteckt sich, liegt an ungewohnten Orten, meidet Gesellschaft.
- Weniger Aktivität: Sie springt nicht mehr auf den Kratzbaum oder das Fensterbrett, spielt weniger, schläft mehr als sonst.
- Gereiztheit: Sie faucht, wenn man sie anfasst, oder reagiert empfindlich an bestimmten Körperstellen.
- Verändertes Putzverhalten: Weniger Putzen führt zu struppigem, fettigem Fell. Übermäßiges Putzen an einer Stelle kann auf Schmerzen, Juckreiz oder Stress hinweisen.
- Ungewöhnliche Lautäußerungen: häufiges Miauen, besonders nachts, oder ungewohnte Stille bei einer sonst gesprächigen Katze.
- Veränderte Körperhaltung: gekrümmter Rücken, eingezogener Kopf, die Katze sitzt in einer verspannten, „brotlaibartigen“ Haltung mit untergeschlagenen Pfoten und halb geschlossenen Augen.
Schmerzen erkennen: das Katzengesicht
Forscher haben eine Skala entwickelt, mit der sich Schmerzen bei Katzen am Gesichtsausdruck erkennen lassen, die sogenannte Feline Grimace Scale. Sie beurteilt fünf Merkmale:
| Merkmal | entspannte Katze | Katze mit Schmerzen |
|---|---|---|
| Ohren | aufgerichtet, nach vorn gerichtet | auseinander gedreht, nach außen gekippt |
| Augen | geöffnet | zusammengekniffen, schmal |
| Schnauze | rundlich, entspannt | angespannt, eher oval |
| Schnurrhaare | locker, leicht gebogen | gerade, nach vorn gerichtet |
| Kopfhaltung | über der Schulterlinie | unter der Schulterlinie, gesenkt |
Wenn deine Katze mehrere dieser Zeichen zeigt, besonders in Ruhe, hat sie möglicherweise Schmerzen.
Fressen und Trinken
- Appetitlosigkeit: Eine Katze, die einen ganzen Tag lang gar nichts frisst, sollte tierärztlich untersucht werden. Längeres Fasten ist für Katzen gefährlich, weil es eine Leberverfettung auslösen kann.
- Veränderter Appetit: Plötzlicher Heißhunger kann auf eine Schilddrüsenüberfunktion oder Diabetes hinweisen.
- Wählerisches Fressen: Die Katze geht zum Napf, schnuppert und geht wieder, oder sie frisst nur noch weiches Futter. Häufige Ursachen sind Übelkeit oder Zahnschmerzen.
- Vermehrtes Trinken: Ein Hinweis auf Nierenerkrankung, Diabetes oder Schilddrüsenüberfunktion.
- Gewichtsverlust: Oft schleichend und nur mit der Waage zu bemerken.
Die Katzentoilette als Gesundheitsspiegel
Die Katzentoilette verrät viel über die Gesundheit. Achte auf:
- mehr oder größere Urinklumpen: vermehrtes Trinken und Urinieren
- häufige, kleine Urinmengen, Pressen, Blut im Urin: Blasenentzündung oder Harnsteine
- Pressen ohne Urin: Notfall, besonders bei Katern
- Durchfall oder sehr harter Kot: Verdauungsprobleme, Flüssigkeitsmangel
- Urinieren oder Koten außerhalb der Toilette: kann auf Schmerzen, Blasenprobleme, Gelenkbeschwerden oder Stress hinweisen
Den Körper selbst prüfen
Du kannst einige einfache Kontrollen zu Hause machen, am besten regelmäßig, wenn die Katze entspannt ist. So lernst du ihre normalen Werte kennen.
Gewicht: Wiege deine Katze einmal im Monat, am besten mit einer Babywaage. Schreib die Werte auf. Ein Verlust von fünf Prozent ist ein Grund zur Abklärung.
Atmung: Zähle, wie oft sich der Brustkorb deiner Katze hebt, während sie entspannt schläft. In Ruhe atmen gesunde Katzen meist etwa 20 bis 30 Mal pro Minute. Eine Ruheatemfrequenz von dauerhaft über 40 Atemzügen pro Minute im Schlaf ist ein Warnzeichen, zum Beispiel für eine Herzerkrankung, und sollte abgeklärt werden. Atmen mit offenem Maul ist bei Katzen immer ein Notfall.
Schleimhäute: Hebe vorsichtig die Lefze an und schau auf das Zahnfleisch. Es sollte blassrosa und feucht sein. Sehr blasse, weiße, gelbliche, bläuliche oder ziegelrote Schleimhäute sind ein Alarmzeichen.
Augen: klar, glänzend, beide Pupillen gleich groß. Trübungen, Ausfluss, ein sichtbares drittes Augenlid oder ungleiche Pupillen sollten untersucht werden.
Ohren: sauber, ohne dunkle Beläge oder Geruch.
Fell und Haut: glänzendes Fell ohne kahle Stellen, Schuppen, Krusten oder Knoten. Taste deine Katze regelmäßig ab. Neue Knoten oder Schwellungen sollten untersucht werden.
Temperatur: Die normale Körpertemperatur einer Katze liegt etwa zwischen 38,0 und 39,2 Grad. Gemessen wird rektal, was viele Katzen nicht mögen. Warme Ohren allein sind kein verlässliches Zeichen für Fieber.
Ein Gesundheitstagebuch führen
Gerade bei älteren Katzen oder bei Katzen mit einer bekannten Erkrankung hilft ein einfaches Gesundheitstagebuch. Es muss nicht aufwendig sein, ein Notizbuch oder eine Notiz im Handy reicht. Trage einmal im Monat das Gewicht ein und notiere alles, was dir auffällt: Erbrechen, Durchfall, Appetit, Trinkmenge, Veränderungen auf der Toilette, Husten, Niesen, Humpeln oder ungewohntes Verhalten.
Ein solches Tagebuch hat zwei Vorteile. Erstens bemerkst du schleichende Veränderungen, die dir im Alltag nicht auffallen würden, zum Beispiel, dass deine Katze in den letzten drei Monaten jeden Monat ein wenig leichter geworden ist. Zweitens kannst du der Tierärztin genaue Angaben machen, statt dich auf dein Gedächtnis verlassen zu müssen. Die Frage „Seit wann trinkt sie mehr?“ lässt sich dann mit einem Datum beantworten statt mit „Ich glaube, schon eine Weile“.
Wenn du eine Veränderung bemerkst, kann auch ein kurzes Video helfen, etwa von einem Hustenanfall, einem ungewöhnlichen Gang oder einer seltsamen Atmung. Viele Symptome treten in der Praxis nicht auf, weil die Katze dort aufgeregt ist oder sich ganz anders verhält als zu Hause.
Notfälle, die keinen Aufschub dulden
Bei diesen Zeichen solltest du sofort eine Tierarztpraxis oder Tierklinik anrufen:
- Atemnot, Atmen mit offenem Maul, blaue Schleimhäute
- Pressen auf der Toilette ohne Urinabsatz
- Verdacht auf Vergiftung
- Unfall oder Sturz, auch wenn die Katze zunächst unverletzt wirkt
- plötzliche Lähmung der Hinterbeine
- Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit
- wiederholtes Erbrechen, besonders mit Blut
- starke Blutungen
Eine ausführliche Übersicht findest du auf unserer Seite Notfall & Tierarzt.
Vorsorge statt Abwarten
Viele Erkrankungen, die Katzen verbergen, werden bei regelmäßigen Untersuchungen entdeckt, bevor sie Beschwerden machen. Eine jährliche Untersuchung, bei älteren Katzen zweimal im Jahr, mit Blutuntersuchung und Blutdruckmessung ab einem gewissen Alter, ist die beste Vorbeugung.
Häufige Fragen
Meine Katze schnurrt. Kann sie trotzdem krank sein?
Ja. Katzen schnurren nicht nur, wenn sie zufrieden sind, sondern auch bei Schmerzen, Stress oder Angst, vermutlich um sich selbst zu beruhigen. Schnurren allein ist kein Zeichen von Gesundheit.
Wie lange darf ich abwarten?
Das hängt von den Zeichen ab. Bei Notfallzeichen gar nicht. Bei leichten Veränderungen wie etwas weniger Appetit kannst du einen Tag beobachten. Wenn es nicht besser wird oder du unsicher bist, ruf an.
Wie bringe ich meine Katze stressfrei zum Tierarzt?
Gewöhne sie an die Transportbox, sodass sie die Box als normalen Ruheort kennt. Mehr dazu in unserem Ratgeber zum Transportbox-Training.